Das Klassensystem von Karl Marx

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25. September 2015 von Bildung - Soziologie - Ungleichheit

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.

Für den Philosophen und Ökonomen Karl Marx ist die historische Entwicklung einer Gesellschaft immer eine Geschichte von Klassenkämpfen. Unterdrücker und Unterdrückte stehen stets in einem Gegensatz zueinander, der (mal offen, mal versteckt) in einem Klassenkampf ausgetragen wird. Dieser endet entweder in einer Umgestaltung der Gesellschaft oder im Untergang der kämpfenden Klassen (Burzan, 2006, nach Marx/Engels, 1974 (zuerst 1848)).

Marx entwarf seine Klassentheorie zu einer Zeit, als soziale Ungleichheiten durch die Industrialisierung deutlich sichtbar wurden. In seiner Theorie ist eine Klasse im Verhältnis zu ihren Produktionsmitteln (z. B. Grundstücke, Maschinen, Werkzeuge, Energiequellen) bestimmt. Die beiden großen, sich direkt gegenüber stehenden Klassen sind: Bourgeoisie und Proletariat (Burzan, 2003).

Bourgeoisie

Die Bourgeoisie verstehen Marx und Engels im „Manifest der Kommunistischen Partei“ als die Klasse der modernen Kapitalisten. Sie sind Besitzer der gesellschaftlichen Produktionsmittel und nutzen Lohnarbeit aus, wodurch sie Kapital anhäufen und Macht erlangen (ökonomisch und gesellschaftlich). Entwickelt hat sich die Bourgeoisie aus der Pfahlbürgerschaft des Mittelalters.

Proletariat

Als Proletariat bezeichnen die beiden Autoren die Klasse der modernen Lohnarbeiter. Da sie keine eigenen Produktionsmittel besitzen, sind sie darauf angewiesen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Der Arbeiter wird zum bloßen „Zubehör der Maschine“.

Karl Marx (1875)

Karl Marx (1875)

Die moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassenkämpfe also nicht aufgehoben – vielmehr hat sie neue Klassen und neue Bedingungen der Unterdrückung an die Stelle der alten gesetzt. So wurden bspw. die Zunftmeister verdrängt durch die Manufaktur und diese wiederum durch die moderne Großindustrie (die „industriellen Millionäre“). Für Marx und Engels ist die moderne Bourgeoisie „das Produkt […] einer Reihe von Umwälzungen in der Produktions- und Verkehrsweise“ (Marx/Engels, 2006 (zuerst 1848)).

Mit der Bourgeoisie entwickelt sich aber auch das Proletariat. Die modernen Arbeiter finden nur so lange Arbeit, wie ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Sie sind eine Ware, deren verursachende Kosten sich fast nur auf Lebensmittel beschränken. Da der Preis einer Ware gleich ihren Produktionskosten ist, nimmt der Lohn der Arbeiter immer weiter ab bzw. die Masse der Arbeit zu (durch mehr Arbeitsstunden, höhere Produktionsmengen, etc.).  Die „gemeinen Industriesoldaten“ sind geknechtet vom Fabrikanten, vom Aufseher, von den Maschinen (Marx/Engels, 2006).

Lohnarbeiter sind von Verelendung bedroht und werden sozial wie politisch unterdrückt. Selbstbestimmung ist für das Proletariat nicht möglich, dadurch werden die Arbeiter zu entfremdeten Individuen (Burzan, 2003). Das Proletariat rekrutiert sich aus allen Klassen der Bevölkerung, wobei selbst Geschlechts- und Altersunterschiede keine Geltung mehr haben. Mit der Existenz des Proletariats beginnt auch der Kampf gegen die Bourgeoisie (Marx/Engels, 2006).

Bourgeoisie und Proletariat stehen sich im Verlauf zunehmend dichotom gegenüber und Zwischenklassen lösen sich auf, weil bspw. Kaufleute oder Kleinindustrielle im Konkurrenzkampf mit den Großindustriellen nicht genügend Kapital zur Verfügung haben (Burzan, 2003).

Das Sein bestimmt das Bewusstsein

„Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“

Dieses Zitat von Karl Marx (in der Zwischenüberschrift in der bekannteren, aber verkürzten Fassung) besagt, dass die ökonomische Lage (das Sein) sich auf die Lebensverhältnisse Einzelner und die gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt auswirkt.

Die Herrschaft der „herrschenden Klasse“ (Bourgeoisie) basiert zwar auf ökonomischen Ursachen, wirkt sich aber auch auf andere Bereiche, wie Politik, Kultur, Recht und Religion aus (umgesetzt in Empfindungen, Illusionen, Denkweisen und Lebensanschauungen – den so genannten „Überbau“ – also das Bewusstsein). Deshalb genügt es, die Klassen nach dem Besitz oder Nichtbesitz von Produktionsmitteln einzuteilen, denn: Existenzbedingungen, Lebensweise, Interessen und Bildung der sich gegenüber stehenden Klassen unterscheiden sich derartig, dass automatisch eine Klasse gebildet wird, die der anderen Klasse feindlich gegenüber steht (Burzan, 2003).

Klasse an sich – Klasse für sich

Befinden sich die Mitglieder einer Klasse objektiv in der gleichen Klassenlage (Besitz von Produktionsmitteln oder Nichtbesitzt von Produktionsmitteln), sind sie aber noch nicht zum Bewusstsein ihrer eigenen Interessenlage gekommen, so bilden sie nach Marx eine „Klasse an sich“ (Burzan, 2003, und Wirtschaftslexikon.co, 2015)

Sobald die Mitglieder einer Klasse jedoch ein gemeinsames Klassenbewusstsein entwickelt haben und solidarische, organisierte Handlungsweisen an den Tag legen, werden sie zur „Klasse für sich“ (Burzan, 2003).

Interessengegensatz der beiden Klassen führen zur Revolution

Die Bourgoisie ist daran interessiert, die bestehenden Verhältnisse zu wahren, das Proletariat wiederum möchte die bestehenden Verhältnisse überwinden. Die Bourgeoisie schrumpft in ihrer Personenzahl, wird aber immer reicher, während das in wachsende Proletariat immer weiter verarmt und verelendet. Die Folge ist ein verschärfter Klassenkonflikt, der nicht nur eine kurzfristige Übergangserscheinung im Entwicklungsprozess der Industriegesellschaft ist. Vielmehr laufen die Klassengegensätze auf eine Revolution des Proletariats hinaus (das bereits eine „Klasse für sich“ geworden ist).

Der Klassenkonflikt fungiert so als „Motor des gesellschaftlichen Wandels“. Das Szenario der Revolution sieht eine Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln, eine gerechte soziale Ordnung sowie die klassenlose Gesellschaft vor.

Quellen

Burzan, N. (2015). Soziale Ungleichheit. Studienbrief. Hagen: Fernuniversität Hagen.

Marx, K. & Engels, F. (1848). Manifest der Kommunistischen Partei. Stuttgart: Reclam (2006).

Wirtschaftslexikon. (2015). Klasse an sich. Abgerufen am 25.09.2015 von http://www.wirtschaftslexikon.co/d/klasse-an-sich/klasse-an-sich.htm

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